KOMÖDIE AM KAI
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WIEN / Komödie am Kai: DIE FÜNFTE JAHRESZEIT. Eine lyrische Komödie von Lotte Ingrisch 

Premiere: 14. Jänner 2010, besucht wurde die Vorstellung am 26. Jänner 2010 

Seit Jahren ist die Bühne Garant für unterhaltsame Lustspiele. Das beweist auch die derzeit hervorragende Aufführungsserie des unvergänglichen G.-B.-Shaw-Komödien-Klassikers "Helden". Klaus Gmeiners Inszenierung im bescheidenen Bühnenbild von Siegbert Zivny mit passenden Kostümen von Elisabeth Brenn verfehlt auch im Seit sie vorwitzig auf sich aufmerksam gemacht hat, war Lotte Ingrisch ein Original, und sie ist es geblieben. Zwar fragt man sich heute, im Jahr ihres 80. Geburtstags (er steht im Juli an), was von den zahlreichen Theaterstücken geblieben ist, die sie im Lauf ihres Lebens produziert hat, und wird nicht viel aufzählen können. Aber immerhin fand man in der Komödie am Kai unter ihren älteren Werken eines, das plötzlich auf den Zug des Zeitgeistes aufspringen konnte. Oldies sind „in“ (wenn auch nicht immer auf so hohem Niveau wie in dem herrlichen Film „Giulias Verschwinden“, der demnächst nach einem Drehbuch von Martin Suter ins Kino kommt) – und es laufen so viele herrliche ältere Schauspieler und vor allem –innen herum, die keine Rollen finden… also, „Die fünfte Jahreszeit“ ist für die Komödie am Kai, das kleine Boulevard-Haus am Schwedenplatz, das Stück der Stunde. Wenn Lotte Ingrisch sich darin auch in ihrer ganzen Seltsamkeit präsentiert.

Zwei alte Damen im Altersheim – das ist nicht neu. Sie tragen die absoluten Theaternamen Fanny Flieder und Rosamund Ratz (damals war von der Pilcher noch keine Rede!). Erst erzählen sie einander ihr Schicksal, dann beschließt die eine, dass sie noch etwas vom Leben zu erwarten hat, und nimmt die andere mit – abgepascht aus dem Heim, hinein ins volle Leben. Das ist ein sehr hübscher erster Akt, der es erlaubt, zwei gänzlich konträre Persönlichkeiten zu zeichnen: hier die altjüngferliche (wenn auch einmal keusch verheiratet und durch einen Irrtum Mutter einer Tochter) brave Bürgerin, da die fröhliche Ex-Nutte mit unersättlicher Lebens- und Erlebenslust. Zwei Burgschauspielerinnen, die man in Pension geschickt hat, freuen sich sichtlich, die – vordergründigen, aber wirksamen – Damen auf die Bühne zu stellen.

Akt 2 bis 4, teilweise im Gefängnis, teilweise in Monte Carlo spielend (in dem bescheidenen Bühnenbild der Komödie am Kai - Siegbert Zivny - sieht beides etwa gleich aus, aber das macht nichts), sind sagenhaft dumm, so dass man nur annehmen kann, dass sich die Ingrisch (die bei der Uraufführung des Stücks 48 war) in kindlicher Freude daran gemacht hat, alles zu parodieren, was es in Lustspielen an blöden Verwechslungen geben kann. Jeder ist jedermanns Kind, Vater, Mutter, Liebhaber, und wenn Papa irrtümlich die Tochter heiratet, hält man das für neue Lebensformen. Kurz, die Zuschauer werden nach allen Regeln der Kunst an der Nase herumgeführt, bis der letzte Akt dann wirklich komisch wird: Denn da flüchten die beiden Damen geradezu ins Altersheim zurück, weil es dort viel bequemer ist als im turbulenten „wirklichen Leben“, das sich als viel zu anstrengend herausgestellt hat. Und wie die Ingrisch – offenbar damals schon auf ihrem „Weiße Hexe“-Trip – immer wieder ihre Weisheiten über Tod und Sterben einfügt, so streben die Ladies das Jenseits nun geradezu fröhlich an. Das ist wohl die „fünfte Jahreszeit“, und die wird schön!

Helma Gautier ist Fanny Flieder, die so verhuscht und etepetete beginnt und im Lauf des Geschehens richtig aufblüht. Ulli Fessl muss von Anfang an entfesselt sein und schraubt sich nach und nach noch höher. Die beiden sind unbestreitbar ein Kaliber, das jede Komödie veredelt, und lohnen den Abend. Die anderen haben es weniger leicht, denn ihre Rollen haben keinen Kern, den man als real nehmen könnte, sie sind einzig zum Blödeln ausgeschickt. Robert Mohor fällt das noch am leichtesten, die Jungen (Martina Ebm und Christof Weber) plagen sich ein wenig, die Figuren sind zu wacklig, sie sind nicht schuld. Auch Regisseurin Sissy Boran nicht, die das Ganze einigermaßen leichtfüßig über die Bühne schickt. Es liegt an der hoch geschätzten Lotte Ingrisch – sie hat zwei amüsante Damenrollen, aber kein Stück dazu geschrieben. Aber seien wir ehrlich: dem Publikum hat es sehr gut gefallen. am Franz-Josephs-Kai nicht seine brillante Wirkung.
Renate Wagner 
Der neue Merker
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