Nur am Samstag, 6. Mai um 20 Uhr
& am Sonntag, 7.Mai 2023 um 16 Uhr
LOVE LETTERS
Eine Frau, ein Mann und die Briefe der beiden: Das ist der Stoff, aus dem A. R. Gurneys 1990 für den Pulitzer Preis nominiertes Stück „Love Letters“ ist. Die sich hier schreiben heißen Andy und Melissa - zwei gutbürgerliche "Königskinder" aus dem Amerika des 20. Jahrhunderts; sie können zusammen nicht kommen, und sie lassen nicht voneinander. Ein Balanceakt der Emotionen.
Die Spur ihrer Briefe reicht von den ersten Zettelchen, die sie sich vor dem zweiten Weltkrieg unter der Schulbank zustecken bis in die Zeit der Anruf- beantworter. Sie ist aus reichem Haus. Er aus gutem Haus. Er liebt es, Briefe zu schreiben, sie nicht. Er ist steif, pedantisch, stets beherrscht und trifft seine auch im Rückblick meist korrekten Entscheidungen nach reiflicher Überlegung; sie ist emotional, spontan und chaotisch. Er fällt die Karriere- leiter hinauf und erkämpft sich rücksichtslos Wohlstand und Ansehen, sie stolpert von einem Loch ins nächste und zerbricht an einer eigennützigen Umwelt. Zwei Menschen, nicht gerade füreinander geschaffen, möchte man glauben.
von Albert Ramsdell Gurney
Deutsch von Inge Greiffenhagen & Daniel Karasek
Eine Lesung
mit DANIELA ZIEGLER
& FRANZ ROBERT WAGNER

© Karim Khawatmi
Daniela Ziegler, bekannter TV-Star („Der Fürst und das Mädchen“, „Rosenheim Cops“, „Tatort“, „Das Traumschiff“ u.v.m.) sowie Musical- und Theaterschauspielerin („Evita“, „Sunset Boulevard“, „Sister Act“, „Elisabeth“ „Meisterklasse“ u.a.) und Kammerschauspieler Prof. Franz Robert Wagner präsentieren diesen spritzig-frechen bis sehnsüchtigen Brief-Dialog über ein Leben in unterschiedlichen Gesellschaftsschichten:: Triviale Begebenheiten und substantielle Auseinandersetzungen bestimmen diesen Briefwechsel zweier unterschiedlicher Menschen, die sich seit frühester Jugend kennen. Andy liebt Melissa und Melissa liebt Andy. Trotzdem finden beide nicht wirklich zueinander. Dafür schreiben sie sich über 50 Jahre lang Briefe.

Angefangen mit dem Kennenlernen der zwei Grundschulkinder, spannte sich der Beziehungsbogen der beiden bis zu Melissas Tod. Den Beginn markierten dabei kindliche Einladungen, Briefe aus Ferienlager und Internat sowie heimlich zugesteckte Zettel.
Melissas reiche Eltern lassen sich scheiden. Andy aus intakter, eher armer Familie geht zur Marine. Melissa wird Künstlerin. Dabei fiel schnell Melissas launisches, unberechenbares Wesen auf, das im krassen Gegensatz steht zu Andys ehrgeizig-strebsamer Lebensplanung.
Im Laufe der Jahre wird er es zum Anwalt und zum Senator bringen. Er heiratet die konventionelle Jane und wird Vater dreier Söhne. Die dem Alkohol verfallene Melissa dagegen setzt ihre Ehe in den Sand, verliert das Sorgerecht für die beiden Töchter und muss erkennen, dass ihr allein Andys Briefe Halt geben konnten.
Es ist die Geschichte einer großen Liebe, intelligent, frech, zuweilen aber auch gedämpft, zweiflerisch und melancholisch - so reflektieren Melissa und Andrew ihre Erlebnisse, ihre Gedanken, ihre Visionen. Ihre Wege trennen sich. Das Hoffen auf den anderen und seine Antworten aber hört nie auf.
Eifersüchteleien, Entfremdung, Zueinanderfinden und erneutes Auseinanderdriften wechseln sich ab und machen diese Lesung zu einem psychologisch spannenden Erlebnis. Eine Hommage an die Kunst des Briefschreibens!
Aufführungsrechte: Per H. Lauke Verlag, Hamburg
LOVE LETTERS
Heutzutage wäre es eine Cyberliebe, aber wir befinden sich im Jahre 1937, wo es nur die Möglichkeit des Briefschreibens gab, was eine große Herausforderung war. Nicht nur, dass man tagelang auf die Antwort warten musste, war auch Kreativität beim Verheimlichen des Empfängers gefragt. Aber bei so einer großen Zuneigung, wie sie Melissa und Andy füreinander empfinden, ist keine Hürde unüberwindbar.
Es ist eine außergewöhnliche Liebesgeschichte über vier Dekaden mit all ihren Höhen und Tiefen in vorwiegend schriftlicher Form. Sie begegnen sich nur ein paar Mal persönlich, vor allem zu Beginn ihrer gemeinsamen Schulzeit, aber sie sind wie die zwei Königskinder, die sich lieben und dennoch nie zueinander finden. Andy bezeichnet Melissa seit ihrer ersten Begegnung in der zweiten Klasse trefflich als „verlorene Prinzessin von Oz“. Sie hingegen sieht ihn als „Sklaven seiner Eltern“, der stets nach deren Wünschen agiert. Es sind zwei Charaktere, die trotz ähnlicher Voraussetzungen, nicht unterschiedlicher sein könnten. Sie können nicht ohne, aber auch nicht miteinander.
Daniela Ziegler ist Melissa, aus reichem, aber unglücklichem Elternhaus. Ihr Seelenzustand spiegelt sich in ihren oft kurzgehaltenen, manchmal sogar einsilbigen Briefen. Mal sind sie lieblich, dann wieder verbittert und ironisch. Melissa ist impulsiv, rebellisch und ein Freigeist, losgelöst von allen Zwängen. Wie bei ihrer Mutter wird der Alkohol ihr Seelentröster, in dem sie Ihre Probleme und Sorgen vergessen kann. Im Gegensatz zu Andy hasst sie Briefe zu schreiben.
Für Andy (Franz Robert Wagner) ist Briefe schreiben jedoch eine Leidenschaft. Nur in diesen Momenten fühlt er sich wahrhaftig lebendig. Er ist ruhig, sorgfältig und plant genau seinen Werdegang. Seine Entscheidungen trifft er mit großer Sorgfalt.
Obwohl ihre Leben gänzlich unterschiedlich verlaufen, bleiben sie stets in Kontakt, egal, ob es Melissa als Künstlerin nach Florenz, Frankreich oder New York verschlägt und Andy Senator und somit Hoffnugsträger vieler wird. Ihre kurzen Begegnungen hingegen sind, bis auf wenige Ausnahmen, eher enttäuschend.
Als es den Anschein eines möglichen Happy Ends hat, wird dieses durch äußere Umstände wieder unmöglich. So bleibt es eine Liebe auf Papier, bis über ihrem Tod hinaus. Erst in seinem letzten Brief an ihre Mutter, gesteht er sich seine wahren Gefühle ein.
Diese so emotionale Liebe auf Papier entdecken die beiden Schauspieler mit so viel Leidenschaft immer wieder neu. Das Stück berührt, ist mal heiter und leicht, dann wieder traurig oder zynisch. Daniela Ziegler und Franz Robert Wagner fesseln das Publikum emotional mit Ausdruck und Mimik und berühren zutiefst in dieser szenischen Lesung, die so traurig aber herzergreifend schön ist.
6 von 6 Sternen: ★★★★★★


Fotos © Michaela Springer
