24. Mai bis 21. Juni &
29. August bis 14. September 2025:
Eine kriminelle Komödie von Jack Jaquine
Skurrile Charaktere, schlagfertige Dialoge und überraschende Wendungen in
scheinbar ausweglosen Situationen bietet diese absurde Krimi-Komödie.
Die Szenerie zeigt sich schwarz-humorig und mysteriös, wie eine Mischung
aus „Arsen und Spitzenhäubchen“ und „Twin Peaks“.
EIN MORDS-SONNTAG
mit Ulli Fessl, Doris Weiner, Rafael Witak
REGIE: SISSY BORAN & ANDREA ECKSTEIN
Bühnenbild: Martin Gesslbauer
Kostüme: Petra Teufelsbauer
Dienstag bis Samstag um 20 Uhr
Wieder ein Tag, an dem nichts geschieht, an dem es regnet ohne Unterlass. Die vereinsamten Schwestern Helene und Clarissa sehnen sich nach Abwechslung. Das Leben im beschaulichen Dorf im Waldviertel und in schwester- licher Hass-Liebe gefangen ist eintönig. Ihr täglicher Gast: Schreckliche Langeweile.
An ähnlich öden Tagen hatten sie schon einmal die Badewanne überlaufen lassen, um Herrenbesuch empfangen zu können. Aber nach 197 Tagen ununterbrochener Langeweile reicht den sonderbaren Schwestern keine Stippvisite des Sanitär-Notdienstes.
Eine Vermisstenanzeige in der Zeitung bringt sie auf eine Idee, die ihr Wochenende unterhaltsam gestalten soll: In einem anonymen Brief an die Polizei bezichtigen sie sich selbst des Mordes an der spurlos verschwundenen Nachbarin. So erscheint prompt der örtliche Inspektor zum „Mörderspiel“. Wunderbar: Herrenbesuch! Wie aufregend.
Auf ihn wirkt alles, was er hier sieht und hört, hochgradig verdächtig. Die beiden Schwestern inszenieren ein gefährliches Spiel, verstricken sich in Widersprüche und bringen sich mit immer kurioseren Verhaltensweisen in Bedrängnis. Harmlose Indizien werden zu Anklagen, Anschuldigungen stehen im Raum. Unglaubliche Verwicklungen, verrückt, bösartig und liebenswürdig zugleich.
Doch plötzlich wendet sich das Blatt: Der Inspektor greift bei seinen Ermittlungen zu äußerst merkwürdigen Methoden - aus Spiel wird Ernst...
Mal gewitzt und mal naiv führen die Schwestern und der Inspektor
sich gegenseitig und das Publikum an der Nase herum.
All das verspricht kriminell komische und mordsmäßig gute Unterhaltung!




































Komödie am Kai: Ein Mords-Sonntag
Sissy Boran's Komödie am Kai beschreitet mit "Mords-Sonntag" ungewöhnliche Pfade für das kleine Haus, denn Jack Jaquines Stück zeigt...
Halt!
Wenn ein Theaterkritiker etwas fürchtet, dann einen Krimi, der auf raffinierte Wendungen setzt. Dann nämlich ist jedes Wort ein Spoiler.
Und was mach' ich jetzt, ohne das Vergnügen zu mindern?
Also: Zwei ältere Schwestern, die einander mögen wie Bette Davis und Joan Crowford in "Was geschah wirklich mit Baby Jane"; verregnete Tage; was tun? Eigentlich könnte man... Und der Polizist, der dann den Fall untersucht, bekommt Gulasch angeboten, das er lieber nicht isst, denn das Fleisch darin...
So, genug, bitte hingehen, anschauen, das muss man selbst gesehen haben.
Zumal die Aufführung hinreißend ist. Die Regie von Sissy Boran und Andrea Eckstein zieht alle Register an Skurrilität und zelebriert genüsslich die Absurditäten. Ulli Fessl und Doris Weiner spielen die in herzlicher Abneigung einander zugetanen Schwestern mit einer Brillanz, die wesentlich größeren und finanziell besser ausgestatteten Bühnen zur Ehre gereichen würde. Und dann erst Rafael Witak als Kommissar: Ist er nur schräg - oder total durchgeknallt?
Dieser glänzende Abend verbindet Groteske mit Spannung, dass es die reine Freude ist. Unbedingt anschauen!
EIN MORDS-SONNTAG
Ein verregneter Sonntag wird zur Bühne eines makaberen Katz und Maus Spiels in der Komödie am Kai, das zwischen Absurdität und Abgrund pendelt. Das Stück EIN MORDS-SONNTAG entfaltet in beklemmender Intimität ein Szenario, das zugleich grotesk unterhaltsam und tiefgründig ist. Zwei Schwestern, eine verschwundene Nachbarin, ein Inspektor und ein Mord oder doch nur ein Spiel?
Was das Stück weit über seine dichte, schwarzhumorige Handlung hinaushebt, sind vor allem die überragenden Leistungen der beiden Hauptdarstellerinnen, die die Schwestern Helene (Ulli Fessl) und Clarissa (Doris Weiner) verkörpern. Mit unglaublichem Gespür für Timing und Mimik bringen sie eine Hassliebe auf die Bühne, die das Publikum amüsiert.
Clarissa pendelt zwischen kindlicher Verspieltheit und bedrohlicher Manipulation. Ihre kindliche Naivität löst so manches Missverständnis aus, ihre Gesten sitzen präzise und ergänzen ihr Spiel.
Helene, von Ulli Fessl mit großer emotionaler Bandbreite gespielt, ist das Gegenstück, innerlich zerrissen, unterkühlt und doch tief bedürftig. Ihre leisen Momente sprechen oft lauter als Worte. Der Zuschauer fühlt sich mit ihr verbunden, auch wenn man nie ganz sicher ist, wie viel Wahrheit hinter ihrem Lächeln liegt.
Die Dynamik zwischen beiden Figuren ist fesselnd. In ihrer Darstellung manifestiert sich der wahre Kern des Stücks, das Spannungsverhältnis von Nähe und Abstoßung, von Langeweile und Wahnsinn.
Der Inspektor (Rafael Witak) selbst zunehmend Teil des Spiels, agiert überzeugend, wenngleich er im Strudel der Schwestern gelegentlich zur Projektionsfläche wird. Genau darin liegt der dramaturgische Clou, denn die Bühne gehört den Frauen, die sich mit List, Lüge und latentem Wahnsinn die Realität zurechtbiegen.
Regie (Sissy Boran und Andrea Eckstein) und Bühnenbild (Martin Gesslbauer) halten sich wohltuend zurück, lassen Raum für das intensive Spiel der Darstellerinnen und betonen die klaustrophobische Atmosphäre des abgelegenen Hauses. Der Regen draußen wird zum Symbol, für Ausweglosigkeit, für Stillstand und für das fortwährende Tropfen des Wahnsinns.
EIN MORDS-SONNTAG ist ein schwarzhumoriges Kammerspiel mit Agatha Christie-Flair, das von zwei schauspielerischen Glanzleistungen getragen wird. Wer sich traut, einen Blick in menschliche Abgründe zu werfen, mit einem Augenzwinkern, der wird in der Komödie am Kai bestens bedient.
Noch bis zum 21. Juni und dann wieder vom 29. August bis 14. September in der Komödie am Kai zu sehen.
5 von 6 Sternen: ★★★★★
„Ein Mords-Sonntag“ als mörderisches Vergnügen in der Komödie am Kai
Zwei Schwestern, ein Inspektor und ein Häuschen auf dem Land, in dem sich die Langeweile gnadenlos ausgebreitet hat: Helene und Clarissa, ein ungleiches Duo, sind verzweifelt auf der Suche nach Abwechslung. Ein Zeitungsbericht über das Verschwinden einer Frau aus der Nachbarschaft kommt da gerade recht! Helene als treibende Kraft verfällt auf die Idee, der Polizei ein Geständnis zu übermitteln, dass sie die gesuchte Dame auf dem Gewissen hätten, und tatsächlich taucht im Nu Inspektor Schatz auf, um den beiden Schwestern auf den Zahn zu fühlen. Welch grandioses Durcheinander an Verwicklungen dann seinen Lauf nimmt, lässt sich zu Beginn des Stückes kaum erahnen, deshalb soll hier auch nicht allzu viel über die Handlung verraten werden…
Fest steht: „Ein Mords-Sonntag“, eine kriminelle Komödie des französischen Autors Jack Jaquine (1925–2017), ist ein Feuerwerk an Pointen und überraschenden Wendungen. Sissy Boran und Andrea Eckstein haben das Stück für die Komödie am Kai eingerichtet und inszeniert und damit einen echten Glücksgriff gelandet. Im herrlich biederen Bühnenbild von Martin Gesslbauer, der von der gestreiften Tapete über den Schaukelstuhl und die Stehlampe auf jedes Detail geachtet hat, agiert ein wunderbares Ensemble (Kostüme: Petra Teufelsbauer).
Ulli Fessl bezaubert als listige Helene, die ihrer Schwester Clarissa in fürsorglicher Hassliebe zugetan ist und einen wahrlich ausgetüftelten Plan geschmiedet hat, um ein wenig Schwung in ihren tristen Alltag zu bringen. Mit großartiger Mimik und ebensolcher Lebendigkeit gestaltet sie ihre Rolle als Initiatorin eines Katz-und-Maus-Spiels. Doris Weiner steht ihr als zurückhaltendere Clarissa aber um nichts nach. Als ängstlich-naivere der beiden Schwestern, die Trost bei einer Puppe sucht, agiert Weiner mit vortrefflich gespielter kindlicher Unbedarftheit, doch so harmlos wie sie wirkt, ist Clarissa auch wieder nicht. Ihnen zur Seite steht – hervorragend – Rafael Witak, der als Inspektor für frischen Wind im Haus der beiden Schwestern sorgen soll und dabei sowohl Pechvogel als auch Drahtzieher sein darf.
Die Inszenierung spielt gekonnt mit Motiven aus „Was geschah mit Baby Jane?“ und „Arsen und Spitzenhäubchen“ und verbindet Krimi-Spannung mit reichlich schwarzem Humor. Der stetig tropfende Regen als Geräuschkulisse trägt wesentlich zur dichten Atmosphäre bei. Fazit: große Schauspielkunst, die man tunlichst nicht versäumen sollte. Unbedingte Empfehlung!
