Willkommen       Spielplan       Stücke       Kartenverkauf       Lage       Kontakt       Presse

7. Februar bis 14. März 2026:

Mit skurrilem Humor erzählt das Stück von Colin Higgins nach dem berühmten Filmklassiker von zwei außergewöhnlichen Menschen, die scheinbar unverrückbare Grenzen überwinden und so die Möglichkeiten des Lebens feiern.

Eine kuriose Geschichte über die Liebe,

die Suche nach dem Glück und der

eigenen Freiheit mit TV-Star

Daniela Ziegler in der Hauptrolle.

HAROLD & MAUDE

mit DANIELA ZIEGLER, Victoria Kirchner, Angela Schneider, Xiting Shan,

Robert Mohor, Jonas Zeiler, Rafael Witak

REGIE: Boris von Poser

Bühnenbild: Martin Gesslbauer

Kostüme: Petra Teufelsbauer

Harold, ein neurotischer, introvertierter junger Mann aus privilegiertem Hause, besitzt eine eher befremdliche Neigung: Mittels akribisch ausgetüftelter Vorrichtungen fingiert er blutige Selbstmorde, die eine schockierende Wirkung auf seine Umwelt entfalten sollen. Die Versuche seiner entnervten und oberflächlichen Mutter, ihn in die Sphäre der Normalität zurückzuholen und mit einem adretten Mädchen zu verkuppeln, enden im Desaster. Auch der zu Hilfe gerufene Psychiater gerät ans Ende seiner kleinen Weisheit.

So frönt Harold weiterhin seiner stillen Leidenschaft, dem Besuch von Beerdigungen. Auf einer solchen begegnet er Maude, die dieses Hobby mit ihm teilt. Ansonsten scheint die vitale fast achtzigjährige Dame das glatte Gegenteil von Harold zu sein. Abenteuerlustig, impulsiv und sprühend vor Lebensfreude folgt sie ihrem Motto: Probiere jeden Tag etwas Neues! Besonders gern heizt sie in gestohlenen Autos mit Vollgas über die Landstraße und hat weder Respekt vor Besitzverhältnissen, noch legt sie Wert auf Eigentum. Durch ihre forsche, anarchische Art vermag sie Harold aus seinem inneren Gefängnis zu befreien und lehrt ihm einen neuen Blick auf die Welt und das Leben.

Vorsichtig entwickelt sich zwischen Harold und Maude eine Liebesbeziehung jenseits jeglicher gesellschaftlicher Konventionen. Für ein paar Tage erlebt das sonderbare Paar schwarzhumorige Situationen voll von grotesker Komik, zugleich aber auch von melancholischer Poesie und Zärtlichkeit. Gemeinsam erleben sie eine Zeit der Liebe, des Lernens und des endgültigen Abschiednehmens.

Dienstags bis Samstags um 20 Uhr


© Karim Khawatmi

In der Regie von Hal Ashby feierte „Harold und Maude“ 1971 seine Filmpremiere und erlangte international Kultstatus. Kurz darauf schrieb Colin Higgins eine Theaterfassung seiner Drehbuch-Vorlage. Was mit einem makabren Blick auf die Welt beginnt, wird zu einer poetischen wie abenteuerlichen Reise, auf der gesellschaftliche Konventionen über das Leben und die Liebe hinterfragt werden. In dieser düsteren Komödie steckt so viel: Sie ist ein berührender, irrwitziger, die Widersprüchlichkeiten des menschlichen Daseins zelebrierender Flirt mit dem Thema Vergänglichkeit.

HAROLD & MAUDE - Hinreißendes Date bei einer Beerdigung

Wenn die Liebe Grenzen zwischen jung und alt nachvollziehbar verschwinden lässt


Maude saust mit ihrem Rollstuhl wie nix auf den Friedhof, klaut auf dem Weg dorthin Bäume, verstreut im Aufbahrungsraum Nüsse und bewirtet daheim ihren neuen Freund mit Tee, bevor sie sich von ihm zur Melodie von „Lippen schweigen, s´flüstern Geigen“ im Walzertakt drehen lässt. Was wie eine originelle Idee des Regisseurs Boris von Poser aussieht, ist, man möchte es nicht glauben, eine Notlösung. Die prominente Schauspielerin Daniela Ziegler hat tatsächlich einen Gips am Bein; ein blöder Unfall während der Probenzeit für „Harold & Maude“ in der Komödie am Kai. Nur ein wahrer Profi lässt sich davon nicht von dieser Traumrolle abhalten, mehr noch, Ziegler integriert die fahrbare Gehhilfe wie selbstverständlich in die Inszenierung dieser berührenden Komödie und hat damit das ursprüngliche Anliegen von Autor Colin Higgins um einen reizvollen Akzent bereichert.

Es geht um den 20jährigen Sohn der Witwe Mrs. Chasen, die Angela Schneider von anfänglicher Gelassenheit allmählich an den seltsamen Ideen dieses Burschen verzweifeln lässt. Harold probt mit ausgefeilten Techniken den Selbstmord. Jonas Zeiler ist der junge Mann, der mit seiner Show nicht nur beim Hausmädchen Marie (Xiting Shan) Schrecken verursacht und offenbar kein Verständnis für die von ihm verursachte Panik aufbringt. Nachdem eine Sitzung beim befreundeten Therapeuten Dr. Matthews (Robert Mohor) nichts gebracht hat, wird eine Heirat angedacht. Ein Institut schickt drei Kandidatinnen (Victoria Kirchner als Sylvie Gazel, Nancy Mersch und die dem Brautwerber wider Willen gewachsene Schauspielerin Sunshine Doré). Was alle nicht wissen:

Herold hat als passionierter Besucher von Begräbnissen die gerade einmal 60 Jahre ältere Maude getroffen; eine Frau, die wie er das Leben auf höchst ungewöhnliche Weise betrachtet und ihn sanft in ihre im Grund sehr weise Denkungsart einführt. Dass damit Pfarrer Finnigan (Rafael Wittak), der Friedhofsgärtner und ein Polizeiinspektor (beide wieder Robert Mohor) ihre Probleme haben, sind die feinen Zutaten, die dem Stück eine freundliche Portion Komik verleihen. Dank der von Martin Gesslbauer praktisch angelegten Ausstattung lassen sich die diversen Schauplätze im Handumdrehen herstellen. Richtig gemütlich ist es in Maudes Wohnung als Ort der Lebenskunde für Harold – und schließlich auch der Liebe zwischen den beiden, die damit gängige Vorstellungen über den Haufen wirft. Zeit der Entstehung dieses Stücks anno 1971 war eine solche Liaison bestimmt schockierender als heute. Why not? Was aber gleich geblieben ist: die bittere Traurigkeit Harolds, wenn Maude beschlossen hat, zum 80. Geburtstag ihr Leben zu beenden, mit einem gründlich durchdachten Suizid, der ihm letztlich den Unsinn seiner kindischen Versuche vor Augen führt und einen gereiften Mann in sein weiteres Leben entlässt.


Hannes Gans, Kultur & Wein

#LandausSchnellkritik, „Harold & Maude“, Colin Higgins, Premiere in der Komödie am Kai

Kaum ein Stück hat eine für mich so dermaßen enorme lebensbejahende Botschaft, wie diese kurze aber intensive gemeinsame Zeit zweier unterschiedlichster Menschen. Von der Begegnung, beim gemeinsamen Hobby, Beerdigungen besuchen, bis hin zu diesem unglaublich rührenden Schluss.

Er, Harold, sehr jung, introvertiert, lernt von Maude, dieser höchst agilen 80jährigen zuvorderst Freude und Lebenswillen, auch Liebe. Und auf dem gemeinsamen Weg schließlich, da gibt es wohl hunderte wunderbare Botschaften mehr 😍

Diese Maude, Daniela Ziegler (verletzungsbedingt im Rollstuhl) geht geradezu über vor Freude, Lust und auch Kraft. Es ist die reinste Pracht.

Perfekt dazu, die schön sensible Natur dieses Harolds, seine schüchtern erwachende Lebensfreude, die zarten Liebesgefühle. Bravo Jonas Peter Zeiler

Sehr viel Lob für die grandiose Komödiantik von Angela Schneider, und auch für die anderen vier, tw in mehreren Rollen, Victoria Kirchner, Xiting Shan, Robert Mohor und Rafael Witak 👍👏

Ausgezeichnet, die super schönen Kostüme von Petra Teufelsbauer sowie die geniale zeitlos moderne Bühne, Martin Gesslbauer 🙏

Letztverantwortlich, für quasi alles, Boris von Poser, seine Regie gefällt mir ganz ausnehmend gut 👍👏

Danke für diesen wunderschön berührenden und beglückenden Abend! ❤️

In der Komödie am Kai ereignet sich derzeit das Wunder eines absolut außergewöhnlichen Abends.

Dass an dieser Adresse Boulevardkomödien zu Hause sind, die Witz mit Niveau verbinden und glänzend gespielt werden, weiß man längst. Doch nun hat sich das kleine Haus an ein tiefschürfendes und ernstes Stück gewagt - und gewonnen!

In "Harold und Maude" erzählt Colin Higgins eine große Liebesgeschichte: Harold, der unreife junge Mann, verliebt sich in die knapp achtzigjährige Maude. Sie passen nicht nur im Alter nicht zueinander: Der psychisch labile Harold, der von seiner Mutter gegängelt wird und bizarre Suizidversuche unternimmt, auf der einen Seite und auf der anderen Maude, die mit Lebensfreude an ihrem 80. Geburtstag den Tod umarmt sind ein so groteskes wie  wundervolles Paar. Es ist ein kluger lyrischer Theatertext, aufgeheitert durch Nebenfiguren, die humorvolle Lichter aufsetzen, ohne von der sehr ernsten Haupthandlung abzulenken.

In der Komödie am Kai betont Boris von Posers Regie die Weisheit und menschliche Wärme des Stücks in ungeheuer intensiven Szenen, von denen einige in ihrer Mischung aus Zärtlichkeit und leisem Humor Tränen in die Augen treiben. Martin Gesslbauers abstrahiertes Bühnenbild, das doch jeden Spielort suggeriert, ist ein Blickfang für sich.

Und dann sind da die Schauspielerinnen und Schauspieler: Allen voran Daniela Ziegler als weise, resolute Maude, die dem schüchternen und verhuschten Harold von Jonas Zeiler beibringt zu leben. Angela Schneider als Harolds Mutter lässt hinter der ich-bezogenen Fassade hilflose Liebe spüren. Victoria Kirchner, Xiting Shan, Robert Mohor, und Rafael Witak assistieren in mehreren Rollen, die sie prägnant charakterisieren.

Es ist ein wunderbarer poetischer Abend, an dem Lachen und Weinen einander die Waage halten und der im Gedächtnis bleibt. Unbedingt ansehen - gespielt wird das Stück noch bis 14. März.

Komödie am Kai: Harold und Maude von Colin Higgins


Edwin Baumgartner, Wiener Zeitung (online)

PUBLIKUMSSTIMMEN


Ich habe das Stück jetzt zweimal gesehen und jedes Mal Tränen gelacht und Tränen geweint. Man geht aus der Vorstellung heraus und will das Leben umarmen. Wer also in diesen Zeiten etwas Lebensmut braucht, sollte unbedingt in die Komödie am Kai gehen! (Kirsten Papsch)


Großartig! Diese Aufführung ist ein Highlight und darf nicht versäumt werden. Ehrenwort! (Prof. Gerti Senger)


Harold &Maude mit der wunderbaren Daniela Ziegler als Maude und dem hochbegabten Jonas Zeiler als Harold, sowie einem glänzend disponierten Ensemble und die fein ziselierte Regie von Boris von Poser bescherte der Komödie am Kai einen Publikumserfolg. Ein Abend der berührt, nachdenklich macht und zum Lachen animiert. Chappeau. Es war einfach großartig. (Gerhard Ernst)


Es war ein großartiger Abend. Ich kann jedem nur empfehlen sich dieses wunderbare Stück anzuschauen. (Charlotte Ludwig)


Gratulation von ganzen Herzen. Ein berührender und einzigartiger Theaterabend. (Manfred Waba)


Vor ausverkauftem Haus erlebten die Zuschauer einen fantastischen und sensationellen Abend ... Ein großes Lob gebührt auch dem Regisseur Boris von Poser, dessen brillante Inszenierung das Publikum von Anfang bis Ende in seinen Bann zog. Besonders hervorzuheben ist die hinreißende Daniela Ziegler, die die Rolle der Maude mit einer beeindruckenden Leichtigkeit und Tiefe verkörperte. Ihre Darstellung war ausgesprochen berührend. An ihrer Seite brillierte Jonas Zeiler als Harold, der nicht nur optisch, sondern auch schauspielerisch eine hervorragende Figur machte. Gemeinsam sorgten sie für emotionale Momente, die zum Lachen und zum Weinen anregten. (Maria Mazakarini)


Was für ein wundervoller Theater-Abend in der Komödie am Kai ... das gesamte Ensemble steht mit einer so ansteckenden Spielfreude auf der Bühne, dass der Funke sofort überspringt. Von Victoria Kirchner über Xiting Shan und Robert Mohor bis hin zu Rafael Witak harmoniert die Truppe einfach prächtig. Besonders hervorzuheben ist dabei die fantastische Daniela Ziegler, die trotz ihres Beinbruchs eine unfassbar spritzige und lebensfrohe Maude gibt. Mit welcher Energie sie auf der Bühne steht, ist absolut bewundernswert! Jonas Zeiler ist als Harold ihr absolut kongenialer Partner – die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach, sodass man jede Sekunde mit ihnen mitfühlt und alles glaubt. Und wer mal wieder so richtig lachen möchte: Angela Schneider als Harolds Mutter ist zutiefst komisch. Allein ihr geniales Mimikspiel sorgt für Lachstürme. Ein riesiges Kompliment an dieses Team für einen Abend voller Herz und Humor! (Mario Reiner)


Hingehen, anschauen - grossartiges Stück, tolle Darsteller! (Ingrid Merschl)


Ein großartiges Stück mit wunderbaren Schauspielern! Diese Aufführung muss man gesehen haben! Bravo dem ganzen Team👏👏👏 (Susanne Kopica-Rickl)


Gratulation zur gestrigen Aufführung HAROLD & MAUDE - Sensationell !!! Da ist etwas ganz besonderes gelungen… (Joe Himmelbauer)


Solche Theaterabende sind heutzutage - leider - selten geworden! 👍👍👍👍 (Gabriele Schweickhardt)

HAROLD & MAUDE (Premiere)

Mit HAROLD & MAUDE setzt die Komödie am Kai auf einen Stoff, der zu Beginn vernichtende Kritiken erhielt, jedoch nach und nach zum Kultklassiker avancierte. Die Bühnenfassung nach Colin Higgins’ Film von 1971 erzählt die Geschichte einer unwahrscheinlichen Annäherung zwischen einem todesobsessiven jungen Mann aus wohlhabendem Haus und einer 79-jährigen Frau, die sich mit subversiver Heiterkeit jeder Norm verweigert. In der aktuellen Inszenierung verdichtet sich dieser Kontrast zu einem fein austarierten Spiel aus schwarzem Humor, Melancholie und leiser Gesellschaftskritik.

Harold, gefangen im emotionalen Vakuum einer funktionalisierten Oberschichtsfamilie, inszeniert groteske Suizidszenarien, um die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu erzwingen. Seine Obsession mit dem Tod führt ihn auf Beerdigungen, wo er Maude begegnet, einer älteren Dame, die aus Neugier und Lebenslust fremde Begräbnisse besucht. Zwischen dem introvertierten Melancholiker und dem eigensinnigen Freigeist entsteht eine Beziehung, die weniger Skandal als Erkenntnisprozess ist.

Maude wird für Harold zur Initiatorin eines anderen Blicks auf die Welt. Sie stiehlt Autos als Akt spielerischer Rebellion, pflanzt entwurzelte Bäume um und insistiert auf Individualität als ethischem Prinzip. Als Harold beschließt, sie zu heiraten, konfrontiert sie ihn mit ihrer Entscheidung, an ihrem 80. Geburtstag freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Der Abschied gerät weniger zur Tragödie als zur konsequenten Fortschreibung eines selbstbestimmten Daseins und bleibt doch ambivalent.

Eine besondere Konstellation prägt diese Produktion. Daniela Ziegler absolviert die Produktion aufgrund eines Beinbruchs im Rollstuhl. Was als potenzielle Einschränkung erscheinen könnte, wird in ihrer Darstellung zur zusätzlichen Dimension der Figur. Ihre Maude gewinnt durch die physische Situiertheit an Konzentration und Präsenz, jede Geste, jede Kopfbewegung, jede Nuance der Stimme erhält gesteigerte Bedeutung. Der Rollstuhl wirkt dabei nicht als Defizit, sondern als selbstverständlicher Teil der Bühnenrealität und unterstreicht ungewollt Maudes Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Zuschreibungen von Alter und Körperlichkeit.

Daniela Ziegler prägt den Abend in der Titelrolle mit charismatischer Bühnenpräsenz. Ihre Maude ist keine exzentrische Alte, sondern eine Frau von Haltung und Weltkenntnis. Ziegler verbindet Eleganz mit augenzwinkernder Ironie, ihre Stimme changiert zwischen Wärme und analytischer Schärfe. In den leiseren Momenten gewinnt die Figur an Tiefe. Wenn Maude von Vergänglichkeit spricht, liegt in Zieglers Spiel eine kontrollierte Intensität, die Pathos vermeidet und dennoch berührt.

Jonas Zeiler zeichnet Harold als fragile, in sich gekehrte Figur, deren Provokationen aus innerer Leere gespeist sind. Seine sorgfältig choreografierten Suizid-Tableaus besitzen komödiantische Präzision, ohne die existentielle Dimension zu nivellieren. Besonders im Zusammenspiel mit Ziegler entfaltet sich eine glaubhafte Dynamik. Zeilers körperliche Zurücknahme kontrastiert wirkungsvoll mit Zieglers expansiver Präsenz. Die Entwicklung vom passiven Protest zur zaghaften Selbstbehauptung gestaltet er differenziert und ohne sentimentale Überhöhung.

Angela Schneider gibt der Mutter jene kühle Selbstverständlichkeit, die Harolds Verzweiflung erst plausibel macht. Mit minimalistischem Spiel und präzise gesetzten Pointen verkörpert sie eine Frau, deren Weltbild aus Konvention, Statusdenken und emotionaler Distanz besteht. Ihre stoische Reaktion auf die makabren Inszenierungen des Sohnes gerät zum bitteren Kommentar auf eine Generation, die Funktionieren über Fühlen stellt.

Robert Mohor, Xiting Shan und Victoria Kirchner übernehmen zahlreiche Nebenrollen sorgen mit klarem Rollenprofil für rhythmische Verdichtung. Ihre Auftritte sind pointiert, ohne ins Karikatureske abzugleiten, besonders in den raschen Figurenwechseln zeigen sie Wandlungsfähigkeit und komödiantisches Timing.

Rafael Witak setzt als Pater einen ruhigen, würdevollen Akzent. Seine Darstellung vermeidet jede plakative Moralinstanz und verleiht den Szenen eine feine Erdung.

Regisseur Boris von Poser vertraut auf den Text und die Kraft der Figuren. Seine Inszenierung setzt auf klare Linien, rhythmische Präzision und eine sorgfältige Balance zwischen Groteske und Ernst. Der schwarze Humor wird nicht ausgespielt, sondern als Mittel zur Freilegung existenzieller Fragen genutzt. Sentimentale Überhöhungen meidet von Poser konsequent, stattdessen entsteht Raum für Ambivalenz.

Das Bühnenbild von Martin Gesslbauer arbeitet mit reduzierten, flexibel nutzbaren Elementen, die rasche Ortswechsel ermöglichen und zugleich eine gewisse Künstlichkeit betonen. Diese Offenheit unterstützt die Parabelhaftigkeit des Stoffes, ohne ihn ins Abstrakte zu treiben.

Petra Teufelsbauers Kostüme konturieren die Figuren präzise. Maudes Erscheinung verbindet Nonchalance mit Individualität, während Harolds formale Strenge seine innere Erstarrung spiegelt. Die Mutter bleibt in einer Welt repräsentativer Eleganz gefangen, auch visuell.

So präsentiert sich HAROLD & MAUDE an der Komödie am Kai als zeitloses Plädoyer für Autonomie und Zivilcourage. Der Abend lebt von der darstellerischen Präzision seines Ensembles, allen voran seines Stars Daniela Ziegler und einer Regie, die Humor und Abgrund gleichermaßen ernst nimmt. Im Zentrum steht die Frage nach einem selbstbestimmten Leben und nach dem Preis, den es fordert.

Noch bis 14. März 2026 in der Komödie am Kai zu sehen.

5 von 6 Sternen: ★★★★★


Michaela Springer, Musicalcocktail

„Harold & Maude“ in der Komödie am Kai:

Grandioses Lehrstück über die Lebensfreude

„Lebe lieber ungewöhnlich“ lautet das Motto von Maude, der beinahe 80-jährigen, durchwegs unkonventionell lebenden Dame, die das Dasein des jungen Harold gründlich durcheinanderwirbelt. Ihr zufälliges Aufeinandertreffen auf einem Friedhof führt zu einer kurzen, aber umso intensiveren Liebesgeschichte zwischen zwei Charakteren, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

„Harold & Maude“ ist ein wunderbares Lehrstück über das Leben, die Freude daran, jeden Moment – auch trotz Widrigkeiten – auskosten zu können und Normen gesellschaftskritisch zu hinterfragen. Für die Komödie am Kai hat Boris von Poser das Stück von Colin Higgins (1941 bis 1988), das 1971 seine Filmpremiere feierte, dann vom Autor als Roman adaptiert und erst danach als Bühnenversion aufgeführt wurde, als berührende, zu keinem Zeitpunkt ins Kitschige abgleitende Coming-of-Age-Tragikomödie inszeniert.

Harold leidet unter der Kontrollsucht seiner ihn bevormundenden Mutter Mrs. Chasen, die den rund 20-Jährigen am liebsten schon unter der Haube sehen möchte. Er flüchtet sich in vorgetäuschte, makaber anmutende Suizid-Darstellungen, die seine Mutter schon gar nicht mehr schockieren, dafür die junge Hausangestellte Marie aber umso mehr. Auch die beiden ersten Heiratskandidatinnen, die eine Agentur auf Initiative von Harolds Mutter für ihren Sohn entsendet, kann er damit erfolgreich in die Flucht schlagen. Die dritte junge Dame lässt sich nicht so leicht vergraulen, allerdings ist hier schon Maude in den Fokus von Harolds Interesse gerückt…

Martin Gesslbauer hat ein minimalistisches Bühnenbild in Form einer hellgrauen Rampe entworfen, das dem großartigen Ensemble alle Spielmöglichkeiten offen lässt und die Interaktionen zwischen den Charakteren noch mehr in den Vordergrund rückt. Jeweils passende Ausstattungsteile wie das bunte Sofa aus Maudes Wohnung oder eine Parkbank auf dem Friedhof ermöglichen rasche Szenenwechsel.

Daniela Ziegler und Jonas Zeiler verkörpern das ungleiche Paar, dem nur wenige Tage Zeit für Gemeinsamkeit bleibt, da Maude bereits Pläne für ihr Ableben geschmiedet hat. Beiden Mitwirkenden gelingt es gleichermaßen hervorragend, die Beziehung ihrer Charaktere zueinander schlüssig und nachvollziehbar zu gestalten. Maude bietet Harold eine Reibefläche, wie er sie bis dato nicht gekannt hat. Daniela Ziegler (die ihre Rolle aufgrund eines Unfalls im Rollstuhl spielt) stattet ihre Maude mit unbändiger Lebensfreude aus, die den jungen Harold aus seinem Schneckenhaus lockt und ihm die Welt außerhalb seiner gewohnten Bahnen schmackhaft macht. Jonas Zeiler gelingt ein glaubhafter Wandel vom verschlossenen, in sich gekehrten jungen Mann, der an Maudes Seite zum deutlich reiferen Erwachsenen aufblüht, der für sich selbst einstehen kann und seiner Mutter Kontra gibt.

Angela Schneider mimt mit großer Verve und grandioser Mimik die für Harold emotional unerreichbare und auf Standesdünkel bedachte Mutter. Herrlich anzusehen ist es für das Publikum, wenn Mrs. Chasen, in der Annahme, eine adelige Schwiegertochter zu bekommen, erfährt, wen ihr Sohn wirklich heiraten möchte. Xiting Shan ist als Hausangestellte Marie jedes Mal sehr überzeugend einem Nervenzusammenbruch nahe, wenn Harold eines seiner skurrilen Suizid-Schauspiele vollführt. Robert Mohor bringt in seine drei Rollen – als Psychiater Dr. Mathews, der Harold behandeln soll, als Friedhofsgärtner und als Inspektor – unterschiedliche Facetten ein. Victoria Kirchner stattet die drei Heiratskandidatinnen Sylvie, Nancy und Sunshine mit Attributen von konservativ bis hippiesk aus, und Rafael Witaks Pater Finnegan zeigt sich von seiner verständnisvollen, geduldigen Seite, wenn er Maude am Friedhof trifft, die durch ihr unkonventionelles Verhalten auffällt. Petra Teufelsbauer hat das Ensemble in stimmige Kostüme gewandet, von Maudes knallbunter Kleidung bis hin zu Mrs. Chasens streng wirkender Kostüme in gedeckten Farben.

Fazit: Regie und Ensemble haben einen intensiven Theaterabend gestaltet, der die zutiefst menschlichen Aspekte unseres Daseins von einer warmherzigen, lebensbejahenden Seite zeigt und die Kostbarkeit des Moments verdeutlicht. Keinesfalls sollte man diese Produktion versäumen, ganz große Empfehlung!

Anja Schmidt, Kultur-Schatulle