OMATRICK (Österreichischen Erstaufführung)
Zwischen Täuschung und Wahrheit: Charles Lewinskys OMATRICK begeistert in der Komödie am Kai.
Mit der österreichischen Erstaufführung von OMATRICK präsentiert die Komödie am Kai eine ebenso vergnügliche wie klug konstruierte Komödie des vielfach ausgezeichneten Schweizer Autors Charles Lewinsky. Was zunächst als klassische Verwechslungsgeschichte beginnt, entfaltet sich rasch zu einem raffinierten Duell zwischen Generationen, das weit über bloße Situationskomik hinausweist. Unter der Regie von Sissy Boran und Andrea Eckstein entsteht ein pointierter Theaterabend, der Unterhaltung und gesellschaftliche Reflexion auf bemerkenswert elegante Weise miteinander verbindet.
Bereits der Titel spielt mit den Erwartungen des Publikums. Der sogenannte Enkeltrick, längst Synonym für eine perfide Betrugsmasche, wird von Lewinsky mit feiner Ironie umgekehrt. Im Zentrum steht eine ältere Dame, die in einem Pflegeheim lebt und von ihrer Umgebung zunehmend als vergesslich und orientierungslos wahrgenommen wird. Genau diese vermeintliche Schwäche will ihr skrupelloser Sohn für seine eigenen Interessen ausnutzen. Ein Angestellter seiner Firma soll sich als Enkel ausgeben und die Seniorin dazu bewegen, Dokumente zu unterschreiben, mit denen ihr letzter wertvoller Besitz, eine Liegenschaft in den Besitz des Unternehmens übergeht.
Doch der Plan gerät schneller ins Wanken als erwartet. Die alte Dame erweist sich als weit wacher, schlagfertiger und strategischer, als ihre Gegenspieler vermuten. Mit gezielten Fragen, scheinbar beiläufigen Erinnerungen und geschickt gestreuten Anekdoten verstrickt sie den vermeintlichen Enkel zunehmend in Widersprüche. Aus dem geplanten Betrug entwickelt sich ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, in dem die Machtverhältnisse sich verschieben. Lewinsky versteht es, sein Publikum bis zuletzt über die tatsächlichen Absichten seiner Figuren im Ungewissen zu lassen und die Handlung mit überraschenden Wendungen aufzuladen.
Der Erfolg dieses Kammerspiels hängt wesentlich von seinen beiden Darstellenden ab. Doris Weiner gestaltet die titelgebende Oma mit beeindruckender Präsenz und großer darstellerischer Präzision. Sie vermeidet jede klischeehafte Zeichnung einer verwirrten alten Frau und entwirft stattdessen das vielschichtige Porträt einer Persönlichkeit, die zwischen Altersmilde, Verschrobenheit und messerscharfer Beobachtungsgabe changiert. Mit feinem Gespür für Timing setzt sie Pointen, ohne ihre Figur jemals der Karikatur preiszugeben. Besonders in den leiseren Momenten offenbart ihre Darstellung jene emotionale Tiefe, die das Stück über reine Unterhaltung hinaushebt. Lukas Meier überzeugt als überforderter Angestellter, der sich zunehmend in seinem eigenen Lügengebäude verfängt. Sein Spiel lebt von glaubwürdiger Unsicherheit, präziser Reaktionskomik und einer Natürlichkeit, die die Entwicklung seiner Figur jederzeit nachvollziehbar macht.
Das Zusammenspiel der beiden Darstellenden bildet das eigentliche Herzstück der Inszenierung. Die Dialoge wirken lebendig und organisch, die Reaktionen aufeinander sind präzise gesetzt und entfalten jene besondere Bühnenchemie, die das Publikum unmittelbar in das Geschehen hineinzieht. Gerade in den Wortgefechten zwischen den beiden Figuren zeigt sich die Qualität von Lewinskys Text, dessen sprachliche Raffinesse von den Darstellenden mit sichtbarer Spielfreude ausgeschöpft wird.
Die Regie von Sissy Boran und Andrea Eckstein vertraut konsequent auf die Kraft des Stücks und seiner Figuren. Sie konzentrieren sich bei der Inszenierung auf die psychologische Dynamik der Begegnung. Dies erweist sich als kluge Entscheidung, da sie den feinen Nuancen der Figurenentwicklung ebenso Raum gibt, wie den pointierten Dialogen.
Einen stimmigen Rahmen schafft das Bühnenbild von Martin Gesslbauer. Der Raum wirkt zugleich vertraut und leicht beklemmend, wodurch die psychologische Spannung zusätzlich verdichtet wird. Die Kostüme von Petra Teufelsbauer unterstützen die Charakterisierung der Figuren mit unaufdringlicher Präzision und tragen zur Glaubwürdigkeit der Inszenierung bei.
Besonders bemerkenswert ist das sichere Gespür für Rhythmus. Die Aufführung wechselt mühelos zwischen humorvollen Passagen und Momenten ernsthafter Reflexion, ohne dabei den Spannungsbogen zu verlieren. Gerade dieser Balanceakt macht den Reiz des Abends aus. Das Publikum wird zum Lachen gebracht, gleichzeitig aber auch mit Fragen konfrontiert, die weit über die Bühnenhandlung hinausreichen.
OMATRICK funktioniert auf mehreren Ebenen. Vordergründig ist das Stück eine intelligente Komödie voller Wortwitz und überraschender Wendungen. Dahinter verbirgt sich jedoch eine ebenso kluge wie aktuelle Auseinandersetzung mit Alter, Einsamkeit, familiären Konflikten und gesellschaftlicher Gier.
Besonders interessant erscheint dabei die Frage nach Wahrnehmung und Vorurteilen. Die ältere Dame wird von ihrer Umwelt unterschätzt, weil Alter allzu oft mit Hilflosigkeit gleichgesetzt wird. Lewinsky stellt diese Sichtweise konsequent infrage. Die vermeintlich Schwächste erweist sich als die stärkste Figur des Stücks, während ihre jüngeren Gegenspieler moralisch wie intellektuell zunehmend ins Hintertreffen geraten.
Zugleich beleuchtet das Stück Mechanismen wirtschaftlicher Ausbeutung und familiärer Entfremdung. Dass ausgerechnet der eigene Sohn die treibende Kraft hinter dem Betrug ist, verleiht der Handlung eine zusätzliche tragische Dimension. Die Komödie gewinnt dadurch gesellschaftliche Relevanz, ohne jemals belehrend zu wirken oder ihre Leichtigkeit einzubüßen.
Mit OMATRICK ist der Komödie am Kai eine rundum gelungene österreichische Erstaufführung gelungen. Die Produktion verbindet intelligente Unterhaltung mit präziser Gesellschaftsbeobachtung und überzeugt vor allem durch zwei hervorragend aufeinander abgestimmte Darstellende. Doris Weiner und Lukas Meier tragen den Abend mit großer Spielfreude und bemerkenswerter Präzision. Gemeinsam mit Lewinskys pointiertem Text, der konzentrierten Regie und einer stimmigen Ausstattung entsteht ein Theatererlebnis, das gleichermaßen amüsiert und zum Nachdenken anregt.
5 von 6 Sternen: ★★★★★
23. Mai bis 20. Juni &
28. August bis 19. September 2026:
Eine Komödie um betrügerische Machenschaften
Vom preisgekrönten Schweizer Autor Charles Lewinsky
Österreichische Erstaufführung
Wenn vom Enkeltrick die Rede ist, dann sind damit in der Regel Kriminelle gemeint,
die ältere Menschen kontaktieren und sich als Verwandte ausgeben, um diese so zu betrügen. Diese raffinierte Komödie dreht das Ganze um – hier nimmt eine pfiffige
Seniorin ihren vermeintlichen Enkel aufs Korn. Mit scharfsinnigem Witz und unerwarteten Wendungen entfaltet sich ein humorvolles als auch spannendes Duell der Generationen.
OMA-TRICK
mit Doris Weiner & Lukas Meier
REGIE: Sissy Boran & Andrea Eckstein
Bühnenbild: Martin Gesslbauer
Kostüme: Petra Teufelsbauer
Ein junger Mann besucht seine Großmutter im Altersheim. Eine alltägliche Situation, würde man meinen – aber er ist der Angestellte eines Immobilienbüros, der im Auftrag seines Chefs versuchen soll, der alten Dame eine Unterschrift abzuluchsen, mit dem sie ihren letzten Besitz, eine wertvolle Liegenschaft, an die Firma abtritt. Und der Chef dieser Firma ist niemand anderes als der Sohn der Heimbewohnerin, mit dem sie sich wegen seiner unsauberen Machenschaften schon seit langem endgültig zerstritten hat. Doch da sie tagtäglich vergesslicher wird, sollte es für seinen Angestellten eine Leichtigkeit sein, sich als ihr Enkel auszugeben und ihr das Haus abzuschwatzen.
Die ältere Dame, die den in kriminellen Angelegenheiten eher unerfahrenen jungen Mann empfängt, ist jedoch bei Weitem nicht so verwirrt wie angenommen. Wortgewandt und unnachgiebig verwickelt die leicht verschrobene, aber äußerst selbstsichere Frau den jungen Mann in Gespräche über die "gemeinsame" Vergangenheit. Der junge Mann verstrickt sich zunehmend in Widersprüche, während die alte Dame Spaß am Katz und Maus Spiel zu entwickeln scheint. Die Sache nimmt ihren Lauf und so wenig wie der Gesandte mit derartigen Komplikationen gerechnet hat, ahnt das Publikum nicht, welch unverhoffte Wendungen der von Witz getragene Dialog dieser beiden unterschiedlichen Charaktere noch nimmt. Am Ende stellt sich die Frage, wer hier eigentlich wen betrügt…?
Dieses humorvolle Stück verspricht Spaß mit Köpfchen und bietet eine Paraderolle
für Volkstheaterliebling Doris Weiner. Ein theatralisches Vergnügen, das sowohl Witz
als auch raffinierte Spannung und Täuschung auf die Bühne bringt.
Dienstags bis Samstags um 20 Uhr
So 31. Mai & So 13. September 2026 um 16 Uhr


























#LandausSchnellkritik, „Oma-Trick“, Charles Lewinsky, Premiere der österreichischen Erstaufführung in der Komödie am Kai. Ein unterhaltsames Stück mit einem originellen Grundsetting, und mit einer darauf aufbauenden dann noch recht überraschenden Wendung 😊
Aber es kann noch weit mehr. Ja, es versteht, gut zu unterhalten, ist zugleich liebevoll und klug. In Spuren, so man dafür ein Sensorium hat, vielleicht auch etwas wehmütig. Und ja, auch das kann durchaus positiv wahrgenommen werden. Zumindest erging es mir gerade so 😍
Jedenfalls bietet das Stück auch eine potentielle Paraderolle für die „Oma“, in allen Phasen ganz grandios von Doris Weiner ausgefüllt. Und, ebenfalls sehr fein, ihr „Enkel“, Lukas Meier. Zweimal Bravo 👍👏
Die hohe und feine Sensibilität des Stücks hat wohl auch viel mit der Inszenierung zu tun, Bravo auch für die Regie, Sissy Boran & Andrea Eckstein. Auch das Bühnenbild, Martin Gesslbauer, sowie die Kostüme, Petra Teufelsbauer, sind jeweils wieder ganz perfekt passend.
Ein wunderschöner Abend in der Komödie am Kai, die einmal mehr ihre ganze Breite beweist 🙏🏻😍
-> Empfehlung!
